Sie sind hier: Startseite » Tills Geschichte

Tills Geschichte

Wie drei Brandenburger Schneidergesellen vom Fenster fielen

Neben der Herberge auf dem Markt der Alten Stadt Brandenburg, in der Till Eulenspiegel Unterkunft hatte, war die Werkstatt eines Schneidermeisters. Mochte dieser ein frommer guter Mann sein, so waren seine drei Gesellen arge Wichte. Auf dem Laden vor der Werkstatt saßen und nähten sie und meinten wohl, der Laden sei ihr Thron und blickten auf das Volk herab. Aus ihren großen Mäulern ergoss sich vielerlei Schändliches. Wer ihnen niedrig genug schien, den bedachten sie mit Hohn und Spott. Alle Klagen wies der Meister ab. In Zeiten wie diesen konnte er sich seine Gesellen nicht wählen. Er musste nehmen, was es gab. Und das mehrte das Hochgefühl der drei Burschen obendrein.

So nahm es nicht Wunder, dass ihnen Eulenspiegel in seinem bunten Gewande und mit seinem sonderbaren Ruf reichlich Anlass bot, ihr lästerliches Tun immer neu zu treiben. Allein der Worte genügten ihnen nicht, sie warfen Eulenspiegel noch alte Lappen hinterher. Rasch ward Bruder Listig bewusst, dass er diesen Gesellen nicht mit Widerworten am Zeuge flicken konnte.

Till Eulenspiegel wartete, bis anderntags wieder der große Markt vor dem Alten Rathause abgehalten werden sollte. In der Nacht davor sägte der Schalk an den vier Pfosten des Ladens, nicht allzu viel, wohl aber genug.

Am Morgen hernach füllte sich der Platz mit Händlern, Bauern und Volk. Aus der Schneiderwerkstatt traten die drei Gesellen, nahmen Platz auf dem Laden und begannen ihr Tagwerk, gewiss nicht ohne lästerliche Worte für das Treiben auf dem Markte zu verlieren. Es währte nicht lang, da trat der Schweinehirt auf dem Markt. Er stieß in sein Horn. Das hieß die Leute in den Häusern ringsum, ihm ihre Schweine zuzuführen, auf dass der Hirt sie zum Weiden auf die Wiese vor der Stadt führen könne.

So kamen auch die Schweine des Schneidermeisters gerannt, doch ehe sie sich zu den anderen bei dem Hirten scherten, taten sie, was sie stets tun: Voller Behagen schabten sie ihre Leiber an den Pfosten des Schneiderladens. Für gewöhnlich trug das Holz den Laden samt Gesellen dennoch. Dank Eulenspiegels Sägerei aber ward das Holz schwach geworden. Es tat einen Ruck, die Pfosten knickten ein und die Gesellen fielen herab und in den Dreck der Straße.

Darauf hatte Bruder Listig nur gewartet. Hinter einer Hausecke schaute er hervor und rief aus voller Brust: „Seht, der Wind weht die Schneider vom Fenster. Da liegen sie im Dreck.“ Ungezählte Köpfe wandten sich um und blickten zu den drei Gesellen, die am Boden lagen, sich die Knochen rieben und fluchten. Oh, wie schwoll da das Gelächter an. Je um je ward es lauter. Sogar der Schneidermeister hielt sich den Bauch, so schüttelte ihn die Freude.

Am Abend besahen sich die drei Burschen die Pfosten, und ihnen ward bewusst, dass Till Eulenspiegel die Hölzer angesägt hatte. Fürderhin spotteten sie seiner nicht mehr.